Von Kalabrien mit dem letzten Tropfen Benzin in unsere geliebte Toskana

04. Januar 2020
Es ist ca. 7 Uhr. Wir haben herrlich geschlafen, denn es war außer ein paar Eulenrufen nichts zu hören in der vergangenen Nacht. Vom Fenster aus können wir auf dem Grundstück Füchse im Olivenhain beobachten.
Viel Natur und sonst nichts….
Gegen 8 Uhr wollen wir weiter, aber wir müssen ja noch bezahlen. Auf dem riesigen Areal befindet sich auch eine Villa. Als wir uns dieser nähern, werden wir von einem kleinen Yorkshireterrier empfangen.
Auch die Begrüßung an der Haustür ist bilderbuchreif. Es dauert lange bis nach dem Klingeln eine auffallend hübsche, ältere Dame im Morgenmantel und Hausschuhen öffnet.


Da die Familie Olivenöl herstellt fragen wir auch, ob wir welches kaufen können. Klar können wir. Und hätten wir gewusst, wie lecker es ist, hätten wir sicher deutlich mehr eingekauft. Neben der älteren Dame lernen wir auch noch deren Tochter kennen. Beide sind sehr, sehr nett.
….wir kommen gerne wieder – wir wissen ja jetzt, das sich hinter der Nebelwand kein Draculaschloss verbirgt!!

Unsere 670 km lange Fahrt in Richtung Norden beginnt gegen 9 Uhr. Auf fast leeren Straßen sind wir schnell in der Region Neapel. Und wieder stellt sich die Frage….Pompei oder doch nicht? Aufgrund der tiefhängenden, dunklen Wolken fahren wir direkt weiter. Wenn man an den Stau auf dem Hinweg denkt, fahren heute zwischen Neapel und Rom praktisch keine Autos. Es ist leer und wir schaffen die Strecke in relativ kurzer Zeit. Kurz hinter Rom ist der Himmel voller Stare. Und sie tanzen für uns direkt über der Autobahn. Einen Link zum Video findet Ihr auf der rechten Seite unserer Homepage unter „Tanz der Stare“.

Wir passieren die wundervolle Stadt Orvieto in der Abendsonne und beschließen schließlich, eine neuen Stellplatz in der Region Val d’Orcia auszuprobieren. Es soll ins weniger bekannte Sarteano gehen. Ein einfacher Stellplatz in Ortsnähe mit gerade mal 5 Plätzen. Bereits 100 km vor unserem Ziel beginnen wir zu überlegen, ob wir vorher noch eine Tankstelle benötigen oder nicht. Wir errechnen ein klares „Nein“!!

Wir haben wirklich ganz knapp gerechnet, denn auf dem Weg auf das auf einem Hügel liegende Ort Sarteano zeigt unser Tankanzeige „eine saubere Null“ an….wirklich mit den letzten Tropfen erreichen wir eine Tankstelle mit servizio self 24h…. Ralf hat erst ein wenig Panik, da die Kreditkarte hier nicht funktioniert.
Aber ein 50 Euro Schein tut es dann. Gerettet!

Als wir dann in den kleinen Ort einfahren, ist es einfach nur bezaubernd. Die Kombi aus Sonnenuntergangslicht und Weihnachtsbeleuchtung zaubern eine Atmosphäre zum Niederknien. Wir sind in unserer geliebten Toskana….unserem zweiten Zuhause.
Vier der fünf Plätze sind belegt. Ein Platz reicht uns ja auch. Unsere Womo Nachbarn sind sehr nett und nach einem kurzen Einkauf im um die Ecke liegenden Supermarkt ist ein Erkundungs-Aperitivo Gassi angesagt. Ein wunderbarer Abend…eine Bar an der kleinen Piazza ist unser erster Stopp. Eine Atmosphäre wie wir sie immer nur in der Toskana erleben. Und die Weine….ein Gedicht….
Zum Abendessen landen wir schließlich in einer Pizzeria. Anfänglich auch wirklich sehr nett, aber als dann eine Horde 20-25 Jährige einfällt, um einen Geburtstag zu feiern, wird es Zeit zum Womo zurückzukehren.
Der Blick in den Wetterbericht lässt das Herz hüpfen…die nächsten Tage ist „Planetenbrennen“ und Frühling angesagt. Und die Vorfreude auf unser geliebtes Val d’Orcia und unsere Freunde in San Vincenzo ist groß.

05. Januar 2020
Der Tag beginnt nach einem Frühstück in einer der Bars in der Sonne mit einer Fototour durch das kleine Örtchen Sarteano. Es macht Spaß mit Allie und Amadeo in Gassen zu schlendern und sich die Kirchen, Gärten und Innenhöfe anzusehen. Von manchen Stellen hat man einen wundervollen Blick auf unsere Traumlandschaft: das Val d’Orcia.
Weiter geht unsere Tour über die Zickzackallee in La Foce. iIn großer Parkplatz an der leider geschlossenen Dopo Lavoro Bar Ristorante ist unser Ziel. Von hier aus genießt man einen tollen Blick auf besagte Allee und das südliche Val d’Orcia. Wir parken unser Womo so, dass wir einen windgeschützten Sonnenplatz haben und bleiben ein bisschen. Dösen, Tagträumen ein mit Allie und Amadeo spielen. Mehr braucht man eigentlich nicht.


Wir fahren in Richtung Spedaletto, um kurz vorher nach Pienza abzubiegen. So leer wie es in Sarteano war, hoffen wir dort auch ein paar schöne Fotos in Ruhe machen zu können. Doch wir haben nicht bedacht, dass heute Sonntag ist. Schon beim Näherkommen sehen wir, dass Pienza aus allen Nähten zu platzen scheint. Parkplatz für ein Womo: Fehlanzeige. Wohin also?
Na klar….Castelmuzio, ein kleiner Weiler liegt nur wenige Kilometer entfernt. Dort gibt es ein Gasthaus und einen Alimentari und eine Terrasse mit Blick bis auf die Burg in Radicofani und am Allerwichtigsten: es gibt einen Parkplatz!!


Gegen 15:30 Uhr parken wir. Wir wollen zum Sonnenuntergang zur Terrasse. Im Gasthaus nehmen wir uns zwei Gläser Rotwein und ein paar Patatine mit und schon sind wir da. Die kleine Ausichtsterrasse ist weihnachtlich geschmückt und liegt in der Sonne. Aber der Wind ist kalt und sehr stark, so dass die Patatine aus dem Korb durch die Luft gewirbelt werden. Der Rotwein ist lecker…aber ein Glühwein hätte bei diesen Temperaturen wahrscheinlich besser gepasst.
Auf dem Rückweg reservieren wir uns einen Tisch in der Locanda für 20 Uhr und dann heißt es erstmal Füße hochlegen und Planung für Morgen….
Unser Besuch in der Locanda wird zu einem der Highlights unserer Tour. Ein wohlig warmes, voll besetztes Gastzimmer, eine echte Künstlerin am Herd, zuvorkommendes Personal und ein perfektes Ambiente.
Wir freuen uns schon auf eine ruhige Nacht und einen sonnigen Morgen…aber wo?!

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