Ambrosianischer Karneval oder unser Heimweg über Mailand

09. März 2020
Wir sind schon sehr früh auf den Beinen, denn heute heißt es Abschied nehmen von der geliebten Toskana und irgendein Ziel in Norditaliena, kurz vor der Schweizer Grenze, anzupeilen.
Auch wegen des großen Radrennens, das heute in Siena stattfinden wird und wir deshalb sehr viel Verkehr erwarten, wollen wir diese Region relativ früh und hoffentlich staufrei verlassen. Und das gelingt uns auch.
Auf der Schnellstraße zwischen Siena und Florenz ist in Richtung Norden freie Fahrt und in Richtung Süden schon Stau: Reisebusse, Fahrradteams und viel zu viel Autos reihen sich bereits jetzt gegen 9 Uhr kilometerlang hintereinander. Und dann die Frage von Ralf, die einen kurzen Schock in Ulli auslöst:
„Hast Du alle Papiere und Pässe?“ – Natürlich nicht! Die Personalausweise liegen nämlich noch im Büro des Agriturismo in Uopini bei Siena. Aber wir sind nicht dokumentenlos, denn unsere Reispässe haben wir auch dabei. Also wird mit der netten Besitzerin telefonisch abgeklärt, wie wir wieder zu unseren Ausweisen kommen – sie wird sie direkt am gleichen Tag per Post zu uns nach Hause schicken – und weiter geht es mit bis dahin noch unbekanntem Ziel in Richtung Norden.


Ein letzter Blick von der Autobahn auf die Domkuppel von Florenz und kurze Zeit später liegt sie hinter uns: unsere geliebte Toskana!
Die Fahrt verläuft einigermaßen staufrei. Ein kurzer Stop im Fidenza Village ist auch noch drin – hier kann man wunderbar einkaufen – und dann sind wir wieder auf der A 1 in Richtung Mailand mit dem eigentlichen Ziel Cernobbio oder vielleicht auch Germignaga.
Mailand – wäre da ein toller Platz in Stadtnähe , wäre das doch auch ein toller Abschluß, oder?

Es gibt da einen Camping in Autobahnnähe mit Bus/U-Bahnanbindung ins Zentrum, den wir uns dann etwa 10 km vor der entsprechenden Autobahnausfahrt auskucken, um von hier aus diese, für uns noch unbekannte Stadt zu besuchen.
Der Camping hat wenig Charme und hier läuft zu dieser Zeit des Jahres alles auf Sparflamme. Die einzigen Gäste sind große Gruppen pubertierender Jugendlicher. Also ist an Ruhe nicht wirklich zu denken. Aber egal. Wir haben einen Nachmittag und einen Abend, um uns erste Eindrücke dieser Stadt zu holen und so geht es direkt nach unserer Ankunft per Taxi zur Piazza del Duomo.
Hier pulsiert das Leben und das Wetter ist himmlisch. stahlblauer Himmel, goldenes Sonnenlicht und heute ist hier der Haupttag des Ambrosianischen Karnevals. Ja, wir haben den Samstag nach Karneval, aber in der Region um Mailand wird Karneval eine Woche später gefeiert. Und das so richtig!

Überall liegt Konfetti und die meisten Menschen sind verkleidet. Es wird getanzt. Überall ist laute Musik und es macht Spaß die Menschen zu beobachten und zu fotografieren. Unsere Bilder zeigen nur Ausschnitte des ganzen Treibens. Es ist wirklich ein Erlebnis – sogar für den Faschingsflüchtling Ralf.


Und obwohl Allie und Amadeo in keinerlei Kostüm stecken, sind sie auch hier in Mailand irgendwie die heimlichen Stars. Viele halten an, wollen die beiden streicheln oder fotografieren. Der ein oder andere steckt vor lauter Begeisterung den Kopf direkt in den Wagen, um unsere beiden Fellzwerge auf die Stirn zu küssen. Ein echt nettes Völkchen!
Das Witzigste ist eine Frau, die mit ihren Freundinnen auf Karnevalstour ist. Sie quietscht schon vor Begeisterung, als sie die beiden von Weitem sieht. Und dann will sie wirklich alles Mögliche wissen. Das Gespräch dauert so lange, dass sie aufeinmal sagt: „Wo sind die Mädels denn jetzt hin? Hab ich solange geschwätzt?“ Und dann ist sie hektisch von dannen gezogen. Einfach liebenswert…


Aber das wissen wir ja bereits, denn unsere liebe Cristina, unsere Italienischlehrerin- oder besser unsere liebe Freundin, die uns ihre Muttersprache beibringt – kommt aus dieser Stadt und hat uns schon so oft gesagt: „Ihr müsst da unbedingt hinfahren! Das wird Euch gefallen!“
Und das tut es auch. Klar sehen wir nicht wirklich viel in der kurzen Zeit, aber das was wir sehen, ist auf jeden Fall viele weitere Besuche wert.
Wir lassen uns durch die fröhlichen, bunt gelkleideten Menschen treiben und landen bei einem Aperitivostop am Castello Sforzesco. Hier ist nun der große Moment gekommen, um Cristina anzurufen und ihr eine kurze Live-Übertragung der Atmosphäre Ihrer Stadt zu geben und ihr von unserem ungeplanten Besuch in Mailand zu erzählen. Und es ist wunderbar – sie freut sich und es macht uns Riesenspaß, wie man an Ullis Gesicht sicher ablesen kann.

Cristina ist begeistert und hat natürlich jede Menge Ratschläge, aber es ist schon relativ spät und wir sind von der Fahrt natürlich auch müde. Aber so ein zwei Weinchen und ein nettes Abendessen sollten doch noch drin sein.
Wo genau wir zum Abendessen landen, wissen wir ehrlich gesagt nicht mehr. Es ist eine übervolle, nett beleuchtete Trattoria Pizzeria. Wir dürfen draußen sitzen, nett mit Decken ausgestattet und das Essen ist herrlich. Da wir relativ spät sind, hat die Bedienung dann auch etwas Zeit für uns und wir haben ein sehr nettes Gespräch mit ihr. Natürlich waren wie so oft unsere beiden hübschen Hunde der Auftakt auch für diese Konversation. Ein überaus gelungener Abend in einer wundervollen Stadt und tollen Erfahrungen mit netten Menschen. Und natürlich ein toller Abschluss für unsere völlig ungeplante „Städtetour“ durch Italien…..
….seid Ihr bei der nächsten Reise auch wieder dabei? Nun ist endlich mal Pause von der Coronapause, d.h. Reisen ist mit Einschränkungen wieder möglich….Folgt unserer nächsten Tour…..bald geht es los….
Für Euch begeben wir uns auf „die Suche der Perlen von Zeeland“

Auf der Suche nach den Perlen von Zeeland…..demnächst in unserem Blog….

Siena – ganz alleine am Dom – Spaziergang durch eine fast „touristenleere“ Stadt

08. März 2019
Der heutige Morgen ist zwar schön, aber auch irgendwie nicht. Der gestrige Abend ist noch spürbar.
Das kleine „Miezekätzchen“ schnurrt im Kopf und das Tempo ist entsprechend angepasst. Ja so kann das passieren, wenn der Chianti all zu lecker schmeckt.
Der Morgen wird also genutzt für eine winzige Gassirunde mit unseren beiden Fellbären und Gammeln am Womo. Gegen Mittag haben wir uns mit der netten Besitzerin verabredet, die uns für kleines Geld nach Siena Stadtzentrum bringt. In der Nähe der Antiporto di Camollia beginnt unser Stadtspaziergang durch eine der schönsten Städte der Toskana. Wären da nicht immer so viele andere Touristen…..aber diese Mal ist es irgendwie anders. Schon in der ersten Gasse ist es herrlich leer und wir genießen die Stimmung der alten Mauern.


Der Weg führt uns direkt über die Paizza Salimbeni und dem dazugehörigen Palazzo, dem Sitz des ältesten noch existierenden Bankhauses der Welt. der Monte Paschi di Siena, rechts in Richtung Basilica di San Domenico. Ein toller Ort, um die Altstadt und den Dom abzulichten. Aber wie immer: das Wetter ist nicht so bilderbuchmäßig wie man es von den meisten Fotos kennt. Das ist aber immer so, wenn wir Siena besuchen. Immerhin regnet es nicht.


Unsere heimlichen Stars (klar haben wir für den Stadtbesuch wieder Allies und Amadeos Wagen dabei) genießen seit dem ersten Moment innerhalb der alten Stadtmauern die Aufmerksamkeit der total hundeverrückten Toskaner…und ehrlich gesagt: wir genießen das auch!!

Hier aus Fontebranda raus wieder zurück ins Centro Storico lassen wir uns einfach treiben, natürlich nicht ohne im kleinen Imbiss PASTAZUF eine Portion Pici mit Bröseln in leicht scharfer Tomatensauce zu essen.
Und wie bereits bei den letzten Malen ist es herrlich….die Atmosphäre im Stehimbiss, das Plaudern und der Rezepteaustausch mit dem Koch oder das Zusehen bei der Pastaherstellung…einfach erlebenswert!

Klar landen wir dann auch auf der Piazza del Campo, die heute sogar zu sehen ist. Meistens ist diese übervoll von Menschen, aber heute eben nicht….es ist so schön….
Da kann man doch glatt einen leckeren Wein auf der Piazza probieren, oder?



Und dann nähern wir uns seiner Majestät „Il Duomo“. Der Dom – auf dem höchsten Punkt der Stadt in romanisch, gotischem Stil erbaut….ein Anblick oder besser einer der „uns bleibt die Luft weg-Momente“
Und der Platz vor dem Dom ist fast menschenleer. Daher entschließen wir uns für einen getrennten Besuch in diesem wundervollen Prachtbau.
Ein Muß, wenn man in SIena ist – wir haben das Glück, den Dom fast für uns alleine zu haben.
Und die Fotos, die wir im Inneren machen, zeigen zwar die Schönheit dieses Bauwerkes, aber selbst dort zu stehen und nach oben in die Kuppel zu schauen, ist eine fast nicht zu beschreibendes Gefühl.


Und dann die Überstory bei Ullis Wartezeit vor dem Dom während Ralfs Fototour:
Ulli und der Wagen gefüllt mit Allie und Amadeo stehen also ganz alleine vorm Dom und warten auf Ralf. Die drei genießen diesen großen Platz für sich alleine. Vor der linken Seite des Portals, etwas erhöht steigt eine Dame, aus dem Dom kommend, in ihren neuen Fiat 500 und fährt langsam in Richtung Ulli und den beiden Fellzwergen. Im Vorbeifahren schaut sie zu den dreien, bleibt dann etwas entfernt stehen, öffnet die Tür und verkrampft sich über die Schulter mit ihrem Handy, um im Selfiemodus ein Foto vom „zuckersüß gefüllten Wagen“ zu schießen. Als Ulli ganz höflich fragt, ob sie nicht aussteigen und ein schönes Foto machen möchte, schlägt sie die Tür energisch zu und verlässt mit quietschenden Reifen, kurz vor dem Hochstart, den Platz…Klar, daß sich Ulli köstlich amüsiert. Etwas später erkennt Ulli die Dame wieder bei einer Fernsehdokumentation über den Dom von Siena, als eine der Kunsthistorikerinnen der Stadt.


Natürlich verlassen wir die Piazza del Duomo in Richtung „altes Milchlädchen“ oder wie man hier sagt „La Vecchia Latteria“, denn das Eis dort ist immer frisch und lecker….
Und so treiben wir durch diese wunderbare Stadt…auch legen wir einen kurzen Stop im Innenhof des Palazzo Chigi ein. Ein wunderbarer Ort, um in Ruhe ein Glas Wein oder einen Caffè zu genießen. Hier beobachten wir einen Kameramann des Senders Rai bei seiner Arbeit….scheinbar ist das die Vorbereitung für das morgige, große Radrennen in der Region Siena.
Egal….unser Spaziergang durch die Stadt geht weiter….ein leckerer Caffè hier, ein köstlicher Wein da…und immer tolle Aussichten auf alte Mauern und Gassen….schade irgendwie, dass die alten Steine nicht sprechen können.
Und dann ist es auch schon wieder Zeit, um an unseren Treffpunkt unseres Transfertaxis zurückzukehren.
Schade aber auch schön, denn wir sind alle 4 sehr müde…
Nach ein wenig Relaxen im Womo erreichen wir so gegen 20 Uhr das nette, dem Platz angeschlossene Restaurant und genießen heute, am letzten Abend der Tour in der Toskana, nochmal ein echt tolles toskanisches Hausmannnskost-Menü…
Wir kommen gerne wieder….

Immer wieder sonntags oder wenn der Eisvogel ruft

31. Mai 2020
Unser kleines Rückzugsgebiet….es bietet doch immer wieder Überraschungen….
Ob über oder unter Wasser…irgendwie sind die Begegnungen am Sonntag intensiver als an anderen Tagen…da kommt uns doch direkt der alte Schinken „Immer wieder sonntags“ ins Ohr…
Naturgenuss am Ufer des Sees und unterhalb der Wasserobfläche.
Immer wieder eine Auszeit vom Alltag….soooo wichtig gerade jetzt in Coronazeiten…
Viel Spaß beim „Mitgenießen“!!

Pienza – Zu Fuss zur Capella Vitaleta

07. März 2020
Eine Ruhe war das letzte Nacht hier in Pienza…irgendwie scheinen wir gerade die einzigen Touristen hier zu sein. So erklärt es sich auch, dass wir gut ausgeschlafen bereits gegen 7 Uhr erwachen. Noch zeitig genug, um schon mal ins Orciatal zu lugen…aber heute morgen lohnt es sich nur bedingt, Aufnahmen zu machen. Vielleicht auch deshalb weil wir schon etwas zu spät dafür sind.
Egal…heute heißt es „Wandern“. Wir haben uns die wohl bekannteste Kapelle Italiens, die Capella Vitaleta, als unser Ziel ausgesucht. Mal schauen, was unsere Fellnasen dazu sagen.
Wir suchen uns eine Frühstücksbar mit etwas Sonne für einen schnellen Cappucino und ein Cornetto und dann geht es los.


Wir haben uns den Weg über den Aussichtspfad und das Romitorio ausgesucht. Kurz hinter der Pieve die Corsignano fällt unserem Amadeo ein, dass es ihm schon viel zu warm zum Laufen ist. Unseren „Citywagen“ haben wir nicht dabei. Oder besser: wir haben ihn noch nicht dabei!


Wir laufen das ganze Stück wieder gemeinsam zurück…geht ja nur bergauf..und holen den Wagen. Amadeo braucht ihn anscheinend auch ein wenig für seine Motivation, denn die ersten Kilometer legt er dann fast alleine neben dem Wagen zurück – geht ja auch bergab…Egal…es ist trotzdem wunderschön. Und es stimmt. Es ist fast ein wenig zu warm für eine derartige Wanderung. Über schöne markierte Wege und Pfade gelangen wir zu der Straße, die die etwas Bequemeren nehmen, um mit ihren Fahrzeugen etwa 200m von der Kapelle entfernt zu parken. Heute herrscht hier Gott sei Dank fast kein Verkehr….denn sonst würden uns die vorbeifahrenden Autos komplett einstauben.


Und dann sind wir endlich da….Und die ersten 20 Minuten haben wir die Kapelle für uns alleine. Danach müssen wir sie noch mit einem anderen Pärchen teilen. Aber das grenzt eher an Luxus. Normalerweise tummeln sich hier richtig viele Fotografen oder wie man so schön sagt „Follower“
…heute jedenfalls herrscht hier ein wunderbare Ruhe und das Wetter und der damit verbundene Himmel machen das Fotografieren zu einem echten Erlebnis.



Und dann sind die Bilder im Kasten und es geht fast den gleichen Weg wieder zurück. Immer schön mal mehr oder weniger bergauf….mit einer finalen Schleife. Und das genau so lange, bis man endlich wieder in Pienza angekommen ist. Aber die Anstrengung lohnt sich, denn die Ausblicke unterwegs sind einfach wundervoll.

Oben angekommen heißt es ersteinmal „Riesenwasserauftankstopp für alle. Wir haben auch ein wenig Platz für ein Mittagessen geschaffen, denn auf den richtig steilen Passagen des Weges hatten weder Amadeo noch Allie Lust, bei den Temperaturen (heute ist es wirklich viel zu warm für Anfang März) großartig zu laufen. Heißt: wir haben abwechselnd den voll besetzten Wagen den Berg hochgeschoben. Und das auf teilweise sehr holprigen Passagen.
Zum Mittagsimbiss wollen wir einen Tipp aus dem Internet ausprobieren. Den etwas außerhalb gelegenen Metzger „Bindi Enzo“. Und es ist wundervoll…denn dort gibt es frische, warme Porchetta im Knusperbrötchen oder wie es bei uns nur heißt : „Schweinebrötchen!“



Danach geht es weiter auf Landschaftstour und schließlich landen wir auf einem weiteren Tipp aus dem Netz (dieses Mal von einer italienischen Wohnmobilistenseite) : in Uopini bei „Il Sambuco“ vom historischen Zentrum Sienas ca. 4km entfernt. Der Stellplatz liegt sehr nett an einer Nebenstraße und die Begrüßung durch die Besitzer ist sehr herzlich. Beim Check-In geben wir unsere Documenti/Persos ab und es wird geschwatzt und gelacht und wir reservieren für ca. 20 Uhr einen Tisch im angeschlossenen, kleinen Restaurant. Oder sollten wir lieber Juwel sagen?
Denn das Essen ist superfrisch zubereitet, total lecker, wahrscheinlich nach Omas Rezept und das ganze Restaurant ist einfach nur liebenswert. Der Wein ist toll und an diesem Abend hat Ulli, wahrscheinlich des Weines und des hier gesprochenen Dialektes wegen einen Florentinischen Spruch im Ohr, den sie auch ganz offen mit dem Kellner in „nachgemachtem“ Dialekt bespricht.
„Una chocha Chola chon una channuccia chorta chorta“ Das heißt :“eine Coca Cola mit einem kurzen,kurzen Strohalm.“ Aber da in der Toskana das „c“ je nach Region als Zischlaut oder Luftzug gesprochen wird, macht es immer wieder Spaß diesen Satz von Einheimischen zu hören – Divertente, ja mehr als das. Der Wein ist lecker und zeigt seine Wirkung…Wann wir genau zum Womo zurückgehen, wissen wir nicht, aber ist ja eigentlich auch egal….der Abend war herrlich!!

Orvieto – zum Bilderbuchdom im Schrägaufzug und ein Aperitivo unter Locals im Val d’Orcia

06. März 2019
Haben wir lange geschlafen….klar, nach so einem wunderschönen Tag in Rom. Die Sonne scheint und es ist für die Jahreszeit schon fast zu warm. Bei einem Frühstück wollen wir den heutigen Tag planen. Klar frühstücken wir in der kleinen Bar gegenüber. Bei äußert leckerem Cappuccino und „Cornetti zum Niederknien“ beschließen wir schweren Herzens, die ewige Stadt am heutigen Tag zu verlassen und in Richtung Norden weiterzufahren. Wir müssen ja schließlich in vier Tagen wieder zu Hause sein. -Schade-
Bei unserer letzten Fahrt auf der A1 in Richtung Norden fiel uns die Stadt Orvieto in Umbrien in der Region Terni auf.
Orvieto – Urbs vetus – alte Stadt – wahrscheinlich eine der 12 Hauptstädte des Etruskischen Reiches. Zeitweise Residenz der Päpste. Auf einem Tuffsteinfelsen gelegen, der wundervolle Dom schillert schon von weitem in seinen irren Farben.
Genau dahin soll es gehen, denn direkt am Fusse des Felsens befindet sich ein Wohnmobilstellplatz neben der Talstation der kleinen Bergbahn.
Wir kämpfen uns mit unserem Womo durch die römischen Straßen zur A1. Kaum auf der Autobahn geht es recht schnell voran. Gerade einmal 2 Stunden brauchen wir von unserem Stellplatz aus zu besagtem Schrägaufzug und angeschlossenem Womostellplatz.
Es erfolgt ein Schnell-Checkin (relativ teuer), danach erstehen wir die Biglietti für die Bahn und los geht unsere Erkundungstour nach Orvieto.


Aufgrund der Nebensaison haben wir die kleine Bahn für uns alleine. Sie fährt uns hoch auf den Felsen zur Piazza Cahen. Schon von hier aus ist die Aussicht wunderschön und wir sind schon ganz gespannt auf die Stadt. Auch hier werden wir wieder von vielen Einheimischen wegen unserer beiden Fellnasen Allie und Amadeo angesprochen. Unser Weg für uns durch den Corso Cavour in Richtung Duomo – dem Highlight der Stadt. Das Licht ist etwas diffus, aber gerade zum Fotografieren bestens geeignet. Und dann lugt der Dom am Ende der Gasse heraus – ein architektonischer Traum. Ein echter „Uns-bleibt-die-Luft-weg-Moment“
Und dann stehen wir auf der großen Piazza del Duomo. Wow! Dieses Gotteshaus braucht sich wahrlich nicht hinter dem bekannten Dom von Siena zu verstecken. Eine Fassade wie aus einem Bilderbuch – mit tollen filligranen Arbeiten und versehen mit leuchtenden Farben.


Der Uhrzeit wegen peilen wir bereits seit unserem Aufbruch an der Bergstation nach einem geeigneten Lokal für unsere Mittagspause – und hier auf der Piazza werden wir fündig. Es soll in die Enoteca al duomo gehen. Dort gibt es toll gedeckte Tische im Freien und die haben Sonne. Und unser Mittagessen (bestehend aus einem leckeren Pastagericht) ist ein Traum. Wegen der schönen Zeit in Rom, muss es nochmal Roms Traditionssauce sein: al Amatriciana. Und es ist eine weise Entscheidung. Lecker…
Da woir direkt am Seitenportal sitzen, wartet Ralf im Lokal während Ulli mal kurz in den wundervollen Dom huscht. Drinnen ist eine irre Stimmung. Durch den Lichteinfall durch die hohen Fenster kommen die Farben wundervoll zur Geltung. Der Bereich am Seiteneingang ist abgesperrt und es ist niemand dort. Ulli wundert sich schon ein bisschen, macht aber in Seelenruhe ihre Fotos. Auf der anderen Seite der Absperrung befinden sich auch Besucher – komisch….irgendwas ist hier merkwürdig. Beim Rausgehen liest sie dann auch das Schild: „Geschlossen wegen Restaurationsarbeiten“ Aber schön war’s trotzdem. Die Arbeiter hatten wohl gerade Mittagspause.


Ralf amüsiert sich köstlich und weiter geht es auf Entdeckungstour durch die Stadt. Durch enge Gassen vorbei an traumhaften Aussichtspunkten in die umliegende Landschaft. Ein echtes Juwel aber irgendwie auch noch sehr verschlafen. Eine Stadt für Menschen, die nicht so viel Trubel brauchen. Trotz alledem bleiben wir nur bis etwa 15:30 Uhr dort, da Ralf nicht so begeistert vom Stellplatz ist und der Aufwand in die Stadt zu gelangen schon etwas größer ist.

Und so sitzen wir auch schon wieder im Womo und los geht es in Richtung Pienza.
Pienza – eins von unseren Lieblingszielen im Val d’Orcia. Aber wegen der vielen Touristen in der Hochsaison nicht empfehlenswert. Gegen 17 Uhr parken wir an unserem Lieblingsplatz. Nicht auf dem hässlichen, offiziellen Womostellplatz, nein, auf unserem Platz, den wir nicht kommunizieren werden. Denn sonst steht beim nächsten Mal ein anderes Womo dort.
Los geht es ins Städtchen. Klar müssen wir erst mal ins Orciatal schauen und genießen den Abendspaziergang mit Allie und Deomaus. Von hier oben schauen wir auf die Capella Vitaleta – wir haben uns nämlich aufgrund der Wettervorhersage während unserer Fahrt überlegt, dieser Location am kommenden Vormittag einen Besuch zu Fuss abzustatten.


Es wird langsam dunkel und Pienza ist wie ausgestorben. In der neuen Bar am Stadttor bekommen wir einen netten Rotwein, aber irgendwie haben wir uns unseren Abend hier anders vorgestellt. Also geht es relativ zügig weiter. Unterwegs erstehen wir in einem Feinkostladen in einer der leeren Gassen etwas Pecorino und eine ganze Finocchiona. Und hier bekommen wir auch den Tipp zum Aperitivo, doch dahin zu gehen, wo die Einheimischen hingehen: Ins „Il Casello“. Gesagt getan. Die meisten der „Locals“ stehen draußen und genießen das letzte Sonnenlicht über dem Val d’Orcia. Doch unser Amadeo verträgt sich leider nicht mit einem der Hunde, der ebenfalls dort bei seinem Besitzer liegt. Also gehen wir rein. Es ist erst ein wenig merkwürdig, aber schließlich kommen wir doch mit dem Besitzer ins Gespräch und erzählen von unserer Tour vor 20 Jahren in das fast unbekannte Pienza und unsere damalige Weinprobe bei Ghino mit Familienanschluss. Als ein junger Mann zum Nachschub holen eintritt, spricht ihn der Wirt an und meint: „Hör mal, die beiden da kennen Dich noch von damals, als Du so 4 oder 5 Jahre alt warst.“ Tatsächlich ist es einer von Ghinos Söhnen und dann fängt dieser an, mit uns in Deutsch zu reden. Und wir erinnern uns wieder. Ghinos Frau stammte aus Norddeutschland. Wie schön, mit einem seiner Jungs kurz zu reden. Schließlich sitzt irgendwann nach dem 2. oder 3: Wein der Inhaber der Bar bei uns und erzählt von Pienza, der Ruhe außerhalb der Saison und dem Stress mit den tausenden Touristen, die sich in der Saison durch die engen Gassen schieben. Und noch vieles mehr über die Region, die Menschen hier, seine Familie – irgendwie über alles. Ein schöner Abend, ein leckerer Wein und irgendwann sind wir bestimmt mal wieder hier zum „Aperitivo mit den Locals – aber nur außerhalb der Saison“!!

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